Enorm unterschätzt: das Kamel

Rein optisch gesehen ist so ein Kamel eher keine Schönheit; es wirkt schwerfällig, sein Körperbau unproportioniert und es ist dem Sprichwort nach ein wenig dösig (Eine Sichtweise übrigens, die die Nomadenvölker Nordafrikas keineswegs teilen). Aber wir möchten hier unbedingt eine Lanze brechen für eines der faszinierendsten Tiere der Welt – dem wir zudem noch eine der kostbarsten Edelwollen verdanken!


Das Kamel - ein Wundertier
* In seinem Höcker sammelt das Kamel Fett an, so dass es mehrere Tage ohne Nahrung leben kann.

* Lange, dichte Augenwimpern und kleine Ohren verhindern das Eindringen von Sand und Staub; selbst bei Sandstürmen kann das Kamel weiterwandern.

* Die Füße sind so gebaut, dass sie sich bei starker Beladung um ein Viertel verbreitern können – die größere Fläche verhindert das Einsinken im Sand.

 * Das Magensystem des Kamels kann innerhalb kurzer Zeit bis zu 180 Liter Wasser aufnehmen und in Speicherzellen einlagern. So legt es ca. 30–50 km am Tag auch bei großer Hitze und ohne Wasserzufuhr zurück.

* Rennkamele erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 64 km/h. Für die schnellsten Rennkamele werden Summen bis zu einer Million Dollar bezahlt.

Lässige Schwielen-Sohler
Kamele, die zur Gattung der »Schwielen-Sohler« gehören, sind von Südwestasien bis Nordafrika verbreitet. Vor allem in Arabien werden die einhöckrigen Dromedare in der Literatur als Symbol für Schönheit, Geduld, Ausdauer und Genügsamkeit verehrt. Für Beduinen war das Kamel so viel
wert wie Gold, denn es schenkte ihnen Transport- und Bewegungsfreiheit, Milch und Fleisch. Vom Dromedar stammt eine recht grobe Wolle, die sich hauptsächlich für Teppiche eignet. 

Das zweihöckrige Kamel, oder Trampeltier, liefert hingegen die feine und hochwertige Kamelwolle für edle Pullover, erlesene Sakkos und kostbare Blazer. Kamele mit der besten Wolle stammen in erster Linie aus Ländern mit sehr rauem Klima, wie West-China oder der Äußeren Mongolei. Die Tiere leben in extremen Klimazonen mit Temperatur-Schwankungen von 0° bis 60°C. Dafür wurden sie von der Natur mit einer natürlichen Klimaanlage ausgestattet: Ihr Fell schützt sowohl vor der extremen Mittagshitze wie auch vor kalten Wüstennächten.

Der flaumweiche Luxus der Wüste
Beim Kamel gibt es keine Schur – büschelweise werfen die Tiere im Frühjahr bis zu 5 kg Wolle ab. Und davon bleibt nur ein Bruchteil übrig: nach der Trennung von dem groben, steifen Grannenhaar und dem begehrten, sehr feinen Flaumhaar. Dieses wertvolle, sehr leichte und weiche Edelhaar mit dem seidigen Glanz hat eine natürliche Farbskala von Weiß über Gold bis zu Braunnuancen aller Art.

Noch eine alte Schneiderweisheit zum Schluss: Schurwolle und Kamelhaar kann man leicht unterscheiden. Das eine kann man anfassen – das andere streicheln. Und da ist was dran. Denn wer einmal den flaumweichen Luxus der Wüste für sich entdeckt hat, kommt aus dem Schwärmen kaum noch heraus.

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