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    Sprichwörtlich #10

    In unserer Serie „Sprichwörtlich“ geht es heute um die Redewendung:

    „nach Strich und Faden“

    Morgen feiert Ihre Liebste oder Ihr Liebster Geburtstag. Sie haben einen Strauß roter Dahlien gekauft und natürlich auch ein kleines, ausgesuchtes Geschenk. Sie haben sich vorgenommen, morgen ganz früh aufzustehen, um beim Bäcker Brötchen und Croissants zu kaufen. Dann werden Sie den Frühstückstisch decken, und zwar mit den Tischsets, die sie als Erinnerung auf der letzten Urlaubsreise gekauft haben. Sie haben sogar schon einen kleinen Gugelhupf besorgt, den sie mit einer Mini-Kerze verzieren werden. Dieser Geburtstagsmorgen soll ein ganz besonderer sein. Sie möchten das Geburtstagskind nach Strich und Faden verwöhnen.

    Ja, wenn man Ihre Vorbereitungen betrachtet, kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass das Sprichwort „nach Strich und Faden“ hundertprozentig auf Sie zutrifft. Denn Sie gehen den Geburtstagsmorgen nicht nur liebevoll, sondern auch sehr gründlich an.
    So, wie es die Schneider Anfang des vergangenen Jahrhunderts taten – denn daher kommt die Redewendung: Gewebe besteht bekanntermaßen aus einer Webart, dem Strich, und aus Material, dem Faden. Mit einer Lupe kontrollierten die Meister den Stoff, den ihre Gesellen webten, ganz genau. Ergaben alle Fäden das gewünschte Muster oder gab es an irgendeiner Stelle einen Fadenbruch? Wenn Strich und Faden übereinstimmten, war der Stoff einwandfrei – und Schneidermeister wie -geselle zufrieden.

    Der Ausspruch „nach Strich und Faden“ war also durchweg positiv gemeint. Das änderte sich mit der Zeit. Und heute finden wir in unserem Wortschaft auch eine negative Art von Gründlichkeit. Zum Beispiel, wenn man jemanden nach Strich und Faden belügt.

    Bleiben wir doch lieber beim Verwöhnen – und das nach Strich und Faden!


    Zur „Sprichwörtlich“-Reihe

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